Solarthermie
In der Solarthermie wird die thermische Energie der Sonnenstrahlung nutzbar
gemacht.
Bei der passiven Nutzung erwärmt die Sonne direkt, also ohne technische
Apparate, ein Gebäude z. B. durch entsprechend ausgerichtete Fensterflächen
oder durch sogenannte Transparente Wärmedämmung, bei der das Sonnenlicht die
äusserste Dämmschicht durchdringen kann und so die dahinter liegende Mauer erwärmt.
Von aktiver Nutzung spricht man dann, wenn entsprechend konstruierte
Absorberflächen Sonnenwärme sammeln und diese mit Hilfe eines Mediums z. B. zu
einem Wärmespeicher transportiert wird. Im Haushalt findet die Sonnenwärme
vorwiegend zur Erwärmung von Wasser und der Raumluft bzw. den Räumen
Verwendung. In der Industrie ist darüber hinaus noch die Umwandlung in
chemische Energie, elektrische Energie und mechanische Energie anzutreffen.
Zunehmend werden solar betriebene Absorptionskältemaschinen für die Gebäudeklimatisierung
eingesetzt.
Passive Nutzung
Die Grundlagen der modernen passiven Nutzung der Solarthermie sind u.a. seit
dem Alten Ägypten (1800 v. Chr.) und der Antike bekannt. Sie beruhen im
Wesentlichen auf der Ausrichtung des Hauses bzw. der Architektur an der
Sonneneinstrahlung, sowie dem überlegten Einsatz von Wärme speichernden und
von wärmedämmenden Materialien.
Zur Erwärmung eines Hauses können z. B. ein Wintergarten, besonders grosse
Fenster Richtung Süden oder eine wärmespeichernde Solarwand dienen. In
Verbindung mit einer guten Wärmedämmung vermindert sich der Bedarf an zusätzlicher
Heizungswärme stark. Eine durchdachte passive Nutzung der Sonnenenergie ermöglicht
es auch in Mitteleuropa, beim Bau von Passivhäusern völlig auf eine
"aktive" Heizungsanlage zu verzichten.
Aktive Nutzung
Die direkte Nutzung der Solarenergie in thermischen Solaranlagen
geschieht über Sonnenkollektoren. Handelsübliche Kollektoren erreichen
Wirkungsgrade zwischen 60 und 70 Prozent (einzelne Hersteller geben für
bestimmte Modelle auch höhere Werte an). Das heisst, sie können zwischen
60 und 70 Prozent der auf die Kollektorfläche auftreffenden Sonnenenergie
in nutzbare Wärme umwandeln. In diesen Kollektoren wird meist ein
Wasser-Propylenglykol-Gemisch (Verhältnis 60:40) als Wärmeträgermedium
verwendet. Durch den Zusatz von 40 Prozent Propylenglykol wird ein Frostschutz
bis -23 °C und darunter ein Gefrieren ohne Volumenzunahme erreicht, sowie eine
Siedetemperatur, die je nach Druck 150 °C und mehr betragen kann. Bei höheren
Temperaturen gehen viele Kollektoren in Stillstand und liefern keine Energie
mehr. Die jährlich nutzbare Wärmeenergie, die ein Solarkollektor von 6 m²
im privaten Wohnungsbau liefert, liegt bei circa 2.100 Kilowattstunden (circa
350 kWh/m²). Größere Kollektorflächen haben tendenziell niedrigere
Nutzungsgrade, da der Wärmebedarf im Sommer oft nicht mit dem Angebot mitwächst.
Die größere Fläche wird jedoch in den sonnenärmeren Zeiten benötigt.
Durch die Bündelung der Sonnenenergie mit Spiegeln, wie es in den meisten
Sonnenwärmekraftwerken geschieht, können am Brennpunkt Temperaturen bis zu
1300°C erzielt werden, die industriell gut nutzbar sind. Die hohen
Energiekonzentrationen werden mit einem Dampfkraftwerk oder einem Sterlingmotor
in mechanische Energie und anschließend mit einem Stromgenerator in
elektrische Energie umgewandelt. Manchmal ist die gewonnene Solarenergie eine
zusätzliche Energiequelle in einem konventionellen Kraftwerk. Aufgrund des
notwendigen hohen Direktstrahlungsanteils ist diese Anwendung eher für südeuropäische
Regionen sinnvoll. Mit dem Solarkraftwerk Andasol 1 wird zurzeit ein
solches Kraftwerk in Andalusien gebaut.